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Radonschutz bei Neu- und Altbauten

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das vermehrt im Boden vorkommt. Die Maßeinheit für das Radongas ist das Becquerel/m³ (abgekürzt Bq/m³). Vom Erdreich kann Radongas über undichte Stellen ins Gebäude eindringen und sich dort ansammeln.


Wo kommt Radongas vor?

In Abhängigkeit der Geologie (Uran/Radiumkonzentration im Gestein) sind die Radonvorkommen weltweit sehr unterschiedlich. Mehrere Gebiete in Italien (Trentino Südtirol, Friaul, Latium, Kampanien) und in der benachbarten Schweiz (Graubünden, Ticino) oder Österreich (Ötztal) sind vergleichsweise höher belastet. In Südtirol findet man die höchsten Radonkonzentrationen im gesamten mittleren und oberen Vinschgau, im Raum Franzensfeste, Lüsen, Brixen und im nördlichen Teil des Pustertales (Bruneck, Pfalzen, Gais, Rasen-Antholz, Percha, Niederdorf). Die Radonkarte von Südtirol gibt Auskunft über die Radonbelastung der einzelnen Gemeinden (siehe im Internet). Die Gemeinde Schlanders hat vorbildhaft eine kurze Radoninformation in ihre Homepage gestellt.

Warum dringt Radongas ins Haus ein?

Im Hausinneren ist es wärmer als draußen. Warme Luft ist leichter als kalte und steigt auf. Im unteren Bereich des Hauses bildet sich daher ein Unterdruck. Ist ein Fenster offen, kann Außenluft nachströmen. Wenn alles dicht ist, wird durch Spalten und Risse die radonhältige Bodenluft aus dem Fundamentbereich angesaugt. Besonders gefährdet sind daher das Erdgeschoß oder unterirdische Räume. Auch Neubauten sind betroffen!

Radon ist nach dem Rauchen die häufigste Ursache für Lungenkrebs.Wer in einem Gebäude mit erhöhten Radonwerten wohnt, ist einem höheren Lungenkrebsrisiko ausgesetzt. Dies muss nicht sein, das Radonproblem ist vermeidbar!

Die Gesetzeslage: Man beachte, dass in Italien die Radonkonzentration an Arbeitsplätzen gesetzlich geregelt ist und bei unterirdischen Arbeitsplätzen eine Radonmessung verpflichtend vorgeschrieben ist! Das Gesetz definiert eine Eingreifsschwelle von 500 Bq/m³ pro Jahr (L. D. Nr. 241 vom 26.05.2000 - G.U n. 203 vom 31.08.2000 N.140/L). Bei Überschreitung ist der Arbeitgeber verpflichtet entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Wer diesen Auflagen nicht nachkommt, kann im Fall einer Erkrankung eines Mitarbeiters (Lungenkrebs) unter Umständen in arge Beweisnot geraten. Für den Wohnbereich gibt es nur eine Empfehlung (90/143/Euratom vom 21/02/90), die für Altbauten und Neubauten zwei unterschiedliche Eingreifsschwellen vorsieht: 400 Bq/m³ bei bestehenden Bauten und 200 Bq/m³ bei Neubauten.


Haben radonbelastete Häuser besondere Merkmale?

Die folgenden Punkte liefern einen ersten Anhaltspunkt:

  • Das Haus befindet sich in einem Radongebiet (siehe Radonkarte).
  • Das Haus wurde auf oder unmittelbar neben einer Hanglage (Murgang oder Schuttkegel) errichtet.
  • Die Räume haben an mehreren Wänden und am Boden direkten Erdkontakt und sind schlecht isoliert, oder diese befinden sich über einem wenig belüfteten Naturbodenkeller mit einer schlecht isolierten Holzdecke.


Treffen mehrere Punkte gleichzeitig zu, ist eine Radonmessung dringend zu empfehlen. Achtung: Die beim Nachbarn ermittelten Radonwerte sind nicht auf das eigene Haus übertragbar.




Die Radonmessung kann bei der Landesumwelt¬agentur (Labor für physikalische Chemie - Amba Alagistr. 5 - 39100 Bozen, Tel. 0471 417141) schriftlich beantragt werden. Die Messung sollte möglichst im Winter und im bewohnten Gebäude durchgeführt werden. Unbeheizte Gebäude zeigen geringere Werte. Eine Radonmessung im Baugrund (also vor dem geplanten Neubau) ist in Südtirol nach bisherigen Erfahrungen wenig aufschlussreich.
Im Allgemeinen kann man zwischen einer passiven Langzeitmessung und einer aktiven Kurzzeitmessung wählen. Die Langzeitmessung wird mit einem Dosimeter durchgeführt, das mit der Post zugeschickt wird. Das Dosimeter hat die Größe einer Streichholzschachtel, benötigt keinen Strom und wird in dem zu untersuchenden Raum für mehrere Monate aufgehängt. Anschließend wird es zur Auswertung ans Labor zurückgeschickt. Pro Raum benötigt man ein Dosimeter. Preis: 25 Euro pro Dosimeter. Die aktive Kurzzeitmessung ist vor einem geplanten Umbau zu empfehlen. Die Messung erfolgt mit einem strombetriebenen Messgerät, das nach Anweisungen vom Labor, vom Kunden selbst alle 24 Stunden von einem Raum in den anderen gebracht wird. Das Messergebnis wird automatisch gespeichert, ist aber gleichzeitig auch auf einem Display sichtbar. Man kann daher den Messverlauf aktiv mitverfolgen, oder nach Rücksprache, auch mitgestalten. Innerhalb von ein bis zwei Wochen erhält man so ein Gesamtbild der Radonvorkommen im Haus. Die Messung bildet die Grundlage für die Planung eventueller Sanierungsarbeiten. Preis: 50 Euro.
Die Gegenmaßnahmen: Beim Altbau können vermehrtes Lüften oder kleine bauliche Abdichtungsmaßnahmen die Radonbelastung etwas senken. Aber Achtung! Bei höheren Radonwerten ( 1000 Bq/m³) sind selbst aufwendige Abdichtungsmaßnahmen keinesfalls ausreichend, um die Radonkonzentration dauerhaft zu senken. Diese müssen unbedingt durch sog. aktive Gegenmaßnahmen (mit der Hilfe von Ventilatoren) ergänzt werden! Die Landesumweltagentur berät kostenlos.
Die am häufigsten eingesetzten aktiven Methoden sind die Erzeugung eines Überdruckes im Raum und das Absaugen der Bodenluft aus dem Fundamentbereich des Hauses oder aus einem Zwischenboden (Näheres siehe im Internet). Die aktiven Methoden sind in den meisten Fällen bei relativ geringem Kostenaufwand sehr erfolgreich. In einigen wenigen Fällen hilft hingegen nur der Einbau einer Raum-Belüftungsanlage.

Die Radonmessung Aktives strombetriebenes Radonmessgerät für die Kurzzeitmessung und zwei passive Dosimeter für die Langzeitmessung
Die Radonmessung
Aktives strombetriebenes Radonmessgerät für die Kurzzeitmessung und zwei passive Dosimeter für die Langzeitmessung

Wurden im betreffenden Gebäude erhöhte Radonwerten nachgewiesen, ist beim Umbau oder Altbau-Energiesanierung große Vorsicht geboten. Weitere Aushubarbeiten, das Anbringen von Wärmedämmplatten an den Außenmauern, eine Fußbodenheizungen im erdberührenden Bereich, der Anbau eines Wintergartens, oder auch nur der einfache Austausch von Fenstern und Türen, kann die Radonkonzentration deutlich beeinflussen. Einige allgemeine Tipps: Bei Wärmedämmplatten an den Außenmauern muss das aus dem Erdreich aufsteigende Radongas in geeigneter Weise nach draußen abgeleitet werden. Bei kontrollierten Lüftungsanlagen darf die verwendete Luft nicht direkt aus dem Erdreich angesaugt werden. Wird die Frischluft durch Rohrleitungen im Erdreich vorgewärmt, müssen die verlegten Rohrleitungen auf Dichtheit überprüft werden. Die Außenluftfassung im Lichtschacht kann problematisch sein; diese sollte ca. 1.5 – 3 m über dem Boden erfolgen. Raumbelüftungsanlagen im Bereich des Unter- und Erdgeschoßes sollten mit einem leichten Überdruck betrieben werden (0-1 Pascal). Auch mechanische Lüftungssysteme in Küche, Bad oder WC (im Unter- und Erdgeschoß) sollten mit einem Außenluft-Durchlass versehen sein, um einen Unterdruck im Raum zu vermeiden. Heizanlagen und Holzöfen sollten eine eigene Verbrennungsluftzufuhr haben. Kellertreppen sollten mit einer dichten Türe abschließbar sein.

Beim Neubau sollte der Radonschutz in Abhängigkeit der Bauweise und Raumwidmung geplant werden. Dauernd belüftete Räume (Garage, Hallen) bieten normalerweise einen ausreichenden Radonschutz für die darüber liegenden Räume. Viel benützte Räume mit direktem Erdkontakt sollten hingegen in geeigneter Weise geschützt werden. Ein offenes Treppenhaus bis ins Untergeschoß fördert die Verteilung des Radongases im gesamten Gebäude. Den derzeit besten Radonschutz bietet eine durchgehende konstruktiv bewehrte Beton-Fundamentplatte als Grundlage für das Gebäude. Darunter sollten einige Drainagerohre in einem Schotterbett und eine Ableitung für die Bodenluft angelegt werden. Entscheidend für die Wirksamkeit der Platte ist, dass diese ganz bleibt! Alle Durchführungen, Zu- und Ableitungen für Wasser, Abwasser und Strom sollen, wenn möglich, nicht durch die Platte erfolgen, sondern seitlich durch die Außenmauern verlegt werden. Auf jeden Fall müssen die Durchführungen gut abgedichtet werden. Mauerteile, die mit dem Erdreich in Kontakt stehen, sollen aus Vollbeton errichtet, mit Dichtungsanstrichen versehen und von einer belüfteten Schotterschicht umgeben werden. Wo keine Fundamentplatte errichtet werden kann, ist ein belüfteter Zwischenboden (Vespaio) oder zwischen den Streifenfundamenten ein belüftetes
Drainagesystem im Schotterbett und eine aktive Absaugvorrichtung (Ventilator) für die Bodenluft zu realisieren. Auf maximale Dichtheit der Böden, insbesondere an den Kontaktstellen zwischen Boden und Wand ist zu achten.
Am Ende der Arbeiten sollte die Wirksamkeit der getroffenen Radongegenmaßnahmen unbedingt überprüft werden.

Weitere Info unter
www.provinz.bz.it/umweltagentur/radon
www.ch-radon.ch


Fachautor

Dr. Luigi Minach
Umweltagentur Bozen

Luigi Minach

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